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Die Zukunft von ICANN
Erstes jährliches .ORG-Forum
Veranstalter:
Public Interest Registry
Washington, DC
28. Januar 2010
Rod Beckstrom, Präsident und Chief Executive Officer
Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN)
Grundsatzrede —
Vielen Dank, Alexa. Ich freue mich sehr, heute als Gast bei Ihnen und Ihrem wunderbaren Team von The Public Interest Registry (PIR) hier in Washington, DC, sein zu dürfen, und begrüße auch die Community-Mitglieder von PIR, .oRG und der Internet Society recht herzlich. Zudem danke ich Ihnen, liebe Alexa, für Ihre hervorragende Führungsarbeit an vorderster Front der PIR und für Ihre aktive Unterstützung des gesamten Internet-Ökosystems von Playern. Ein besonderes Dankeschön auch dafür, dass Sie mir in meiner Funktion als neuem CEO von ICANN zur Seite gestanden haben. Ihr freundlicher Empfang und Ihr Beistand waren mir eine große Hilfe.
1. Die PIR-Community
Sie als aufgeschlossene und vorausdenkende Community verkörpern einen Großteil des heutigen Einflusses, Wandels und der allgemeinen Vorteile des Internets. Sie verstehen sich als „weltweite Community aus engagierten Unternehmen und Organisationen, die eine lebenswertere Welt zum Ziel haben“. In meinen Augen ist dies genau das, was das Internet ausmacht. Sie sind ein Vorbild an Bestrebungen und Leistungen für die Internet-Community, die dasselbe Ziel anstrebt. Ich danke Ihnen und freue mich, Sie heute begrüßen zu dürfen.
Im .org-Blog finden sich unter den jüngsten Einträgen Ihre Anweisungen zur Nutzung von .org sowie eine Liste von humanitären Verbänden und Wohltätigkeitsagenturen zur Unterstützung der Erdbebenopfer von Haiti. Auf Ihrer Facebook-Seite habe ich zudem erfahren, dass einer Ihrer prominenten Registrars, Go Daddy, unmittelbar am ersten Tag nach dem Erdbeben eine halbe Million Dollar für Haiti gespendet hat. Ihre Community ist beispielhaft für solidarisches Handeln.
Heute morgen wurde ich gebeten, Ihnen einige Überlegungen zur Zukunft von ICANN zu erläutern. Natürlich kann dieses Netz (ein physisches Netz!) so grob- oder engmaschig sein, wie Sie es wünschen. Unsere Pläne, Einschätzungen und Entscheidungen werden sich auf unsere ICANN- und DNS-Community auswirken – und sie stehen zudem im Kontext eines universellen Internets und seiner Bedeutung für Gesellschaft und Wirtschaft sowie für das Leben, die Hoffnungen und Erwartungen der nahezu zwei Milliarden Computeranwender, die das Internet heutzutage nutzen. Hinzu kommen noch weitaus mehr, die sich per Telefon der IP-Netze bedienen. 25 % der weltweiten Bevölkerung von circa 7 Milliarden Menschen gehen heutzutage per Computer ins Internet. Die Weltbevölkerung wird weiter zunehmen, aber die Verbreitung des Internets wird noch rasanter steigen. Das Internet wird die Marke der nächsten Milliarde erreichen und eines Tages nahezu allen Menschen auf diesem Planeten zugänglich sein. Indirekt tut es das bereits. Internetnutzer rufen täglich schätzungsweise 100 Milliarden Webseiten auf. Diese und andere Internetaktivitäten haben pro Tag über eine Billion Systemsuchen nach Domänennamen zur Folge. Während meiner einstündigen Rede werden in diesem Augenblick 11.000 neue Anwender, die das Internet nie zuvor genutzt haben, hinzukommen. Hier geschieht eine Art Wunder. Wir alle sind über dieses erstaunliche neue globale Nervensystem miteinander verbunden – dieser neue Stoff, aus dem unsere Gesellschaft und die Weltwirtschaft bestehen. Wichtig ist dabei vor allen Dingen, dass wir einfach unser Möglichstes tun, damit dieses System funktioniert, und dabei nicht im Weg stehen.
Ich bin sicher, dass diese Community und ICANN dieselbe Weltanschauung und Philosophie teilen. Sowohl Sie als auch wir sind bestrebt, die Sicherheit und Integrität des Internets zu stärken, den Zugang zu Technologien zu verbessern und in unterversorgte Märkte zu expandieren.
Ich schätze das Engagement, dass Sie, liebe Alexa, in Ihrem Neujahrsblog unter .org, ausgedrückt haben, dass diese Community „Multi-Stakeholder-Governance-Modelle gemeinsam mit ICANN unterstützen und ihr zu einer effektiveren Arbeitsweise verhelfen sollte“.
Wie Sie wissen, umfasst ein Bereich, in dem wir sehr eng zusammenarbeiten, die Publikation von Protokollparametern. Die IETF, also die Internet Engineering Task Force, ist bekanntermaßen ein fantastisches Netzwerk von Ingenieuren, die größtenteils das Internetprotokoll entwickelt haben, auf das wir uns heute verlassen. Die IETF veröffentlicht Protokollstandards und spezifiziert Protokollparameterwerte innerhalb dieser Standards. Diese Vielzahl von Werten wird im Namen der IETF von ICANN in ihrer Rolle als Internetverwaltungsbehörde bzw. als übergeordnetem IANA-Vertreter veröffentlicht.
Die IETF ist also die Normenorganisation, und ICANN bietet als Partner einen Publikationsdienst an, damit man überall auf der Welt auf die IETF-Protokolle und -parameter zugreifen kann. Und natürlich arbeiten wir eng mit Ihrer übergeordneten Organisation, der Internet Society, zusammen, die viele IETF-Aktivitäten finanziert. Der ISOC kommt eine sehr wichtige Rolle zu – sie verfügt über ein weltweites Netz an Endnutzern und ist weltweit mit dem Aufbau von Kapazitäten beschäftigt. Zudem verfügt die ISOC über eigene Ökosysteme: Sie, die ISOC und die IETF spielen eine wichtige Schlüsselrolle, und wir sind wahre Partner in dieser „Kerngemeinde“.
2. Fakten und Werte
Wir sind der Inbegriff des Internets und teilen uns, wenn Sie so wollen, eine zentrale Dualität: Wir sind eine Infrastruktur und stellen gleichzeitig eine Reihe von Werten dar. Wir sind ein technisches Konstrukt – vielmehr ein technisches Wunder, angesichts der 20 Millionen Mal, in denen das DNS-System pro Sekunde weltweit genutzt wird – pro Sekunde – 20 Millionen – 40 Millionen – nun, Sie verstehen, was ich meine. Und wir sind eine wertebasierte Organisation. Das Internet an sich ist ein Konstrukt und eine Vision. In beiden Fällen ein kleines Wunder.
Die Werte, für die wir eintreten und für die wir arbeiten, sind:
3. Die virtuelle und die globale Welt
Im vergangenen Jahr sagte die EU-Kommissarin Viviane Reding, dass sich die echte und die virtuelle Welt immer weiter annähern. „Die exponentielle Zunahme an Informationen, die fortschreitende Entwicklung sozialer Netzwerke, die immer schneller wachsende Menge an Online-Videodaten und das Aufkommen des Internets der Dinge werden zunehmend dazu führen, dass sich die virtuelle und die reale Welt miteinander verbinden.“ Dies hat Auswirkungen auf die Welt und auf das Internet.
Parallel zum Internet wird die globale Gesellschaft mit jedem Jahr komplexer und unabhängiger. Regierungen, multilaterale Organisationen, der Privatsektor und die Zivilgesellschaft haben erkannt, dass sie oftmals machtlos und isoliert handeln: Globale Probleme, Bedrohungen, Möglichkeiten und Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert werden, übersteigen selbst die Kapazität der Stärksten und Einflussreichsten unter ihnen und können nicht allein bewältigt werden. Nehmen Sie beispielsweise das Thema Klimawandel und den gescheiterten Klimagipfel von Kopenhagen – oder, wie einer meiner dänischen Freunde sagt: Erst Hopenhagen, dann Nopenhagen… Dieses Bemühen wird selbstverständlich fortgesetzt und es ist auch ein leichter Fortschritt erkennbar: Das Thema ist viel zu wichtig, um zu scheitern. Aber vielleicht war das Vorgehen an sich falsch: Das gewaltige Rumoren im zwischenstaatlichen Verhandlungsapparat, die verzweifelten Einigungsbemühungen erschöpfter Delegierter in nächtelangen Besprechungen… Und die wütende und enttäuschte Zivilbevölkerung blieb außen vor. Somit sind die Bürger der Welt letztendlich als unschuldige Opfer dazu verurteilt, ihren Kindern und Enkeln ihre Untätigkeit zu erklären.
Klimawandel, Epidemien, Bevölkerungszahlen und Immigration, Energie und Nachhaltigkeit, der Kampf der Kulturen, Terrorismus und Armut, Nahrung, Landwirtschaft und Umwelt – diese Themen können nicht durch Einzelpersonen oder einzelne Länder, seien sie auch noch so groß und die Bemühungen noch so ernsthaft, aus der Welt geschafft werden. Immer mehr erkennen wir hier den zunehmenden Einfluss und die Möglichkeiten des Internets in allen Bereichen. Wissenschaft und Innovation, gewachsen durch das Internet, expandieren und stellen sich diesen Herausforderungen. Gleichzeitig treiben die universellen Hauptadern der Internetdaten Entwicklungen voran, dynamisieren Wirtschaften und bieten Plattformen für Handel, Kultur und Kommunikation an – die sich zum Guten als auch zum Bösen einsetzen lassen. Es heißt beispielsweise, die Taliban seien ebenso versiert darin, ihre Propaganda über das Internet zu verbreiten, wie die westliche Welt.
Es ist wenig verwunderlich, dass die virtuelle Welt, die Welt der Interaktivität (oder auch Hyperaktivität, falls Sie Kinder im Teenageralter haben) und von Web 2.0 täglich komplexer wird und immer mehr an Bedeutung für die globale Gesellschaft gewinnt. Ja, unser Modell – unsere Struktur der Multi-Stakeholder Governance – steht mit seiner Offenheit, Transparenz und der zähen Ausdauer im Bemühen um Konsens im Kreuzfeuer der Kritik. Wir sind aufgefordert, das Internet hinsichtlich Verfügbarkeit, Heterogenität, Skalierbarkeit, Mobilität, Verwaltbarkeit, Sicherheit, Vertrauen sowie Offenheit und Neutralität zu überprüfen.
Die Risiken nehmen täglich zu. Es steht mehr Geld auf dem Spiel, mehr Existenzen hängen von uns ab, mehr Menschen betrachten das Internet als ihren Lebensmittelpunkt und sind entschlossener, für ihre Interessen zu kämpfen. Da können wir nicht länger in unseren gemütlichen Tagungsräumen diskutieren und weiterhin auf unsere vertrauten Lösungen setzen.
Wir sind einfach zu wichtig geworden. Nicht, dass wir dies begrüßen, aber es ist eine Tatsache. Und wir müssen darauf vorbereitet sein, den Weg zu einer noch differenzierteren, inklusiven Multi-Stakeholder-Lösung einzuschlagen, um die Errungenschaften und die Werte, auf denen sie basieren, im gemeinsamen – d. h. universellen und nicht einseitigen oder spezifischen – Interesse zu verteidigen.
4. Das Multi-Stakeholder-Modell
Diese Form der Verwaltung mit ihrer dezentralisierten Kontrolle, mit inklusiven und bisweilen komplexen Prozessen, bei der bedeutenden Stimmen genauso viel Aufmerksamkeit zukommt wie mächtigen Stimmen, liegt ICANN und auch der modernen Internetverwaltung zugrunde. Ich weiß, dass Sie sich als Mitglieder dieser Community diesen Werten genauso verschrieben haben wie ich. Einer Ihrer Diskussionsteilnehmer und namhaften Fachleute, Michael Nelson, bemerkte anlässlich einer OECD-Konferenz, dass wir vor einem Kampf der Modelle zwischen traditioneller Verwaltung und Steuerung mittels Richtlinien und der gegenwärtigen Internetverwaltung stünden. Er sprach sich direkt für den Erhalt der offenen und dezentralisierten Architektur des Internets aus, um Auswahlmöglichkeiten, Innovation und Kreativität zu maximieren. Ich bin ganz seiner Meinung: Die nächste Milliarde Internetnutzer wird kommen, vorausgesetzt, wir errichten keine Mauern, die die Internetnutzung teurer oder restriktiver machen oder erschweren.
Ebenso, wie die weltweiten Herausforderungen, vor denen wir heute stehen, nicht von einzelnen Akteuren oder einzelnen, selbstverwalteten Gruppen von Akteuren angegangen werden können, gilt dies auch für das Internet. Die Verwaltung von Komplexität ist die Herausforderung der realen Welt und der virtuellen Welt – mögen sie auch noch so konvergierend sein. Das Multi-Stakeholder-Modell ist die moderne Verwaltungsform. Wir bei ICANN haben uns gemeinsam mit Ihnen, unseren Freunden in dieser Community, zu dieser Lösung entschieden. Sie ist richtig, sie ist modern, und sie ist die einzig zufriedenstellende Lösung. Ein auf sich gestelltes zwischenstaatliches Forum wird die komplexen und gegensätzlichen Bedenken der verschiedenen Interessensgruppen nicht nachhaltig genug weiterverfolgen. Auch einer zu 100 % kommerziellen Organisation, möge sie auch noch so international sein, würde dies nicht gelingen. Genauso wenig wie einer Versammlung der Zivilgesellschaft. Nur ein Multi-Stakeholder-System kann sich den Bedürfnissen wichtiger Multi-Stakeholder annehmen, sie ausgleichen, sich um Kompromisse bemühen und einen Konsens anstreben, der den universellen Wert des Internets anerkennt.
Der Weg, den wir bereits beschreiten, wird kein leichter sein. Er wird noch komplexer werden, aber er ist auf die Verwaltung von Komplexität zugeschnitten. Wir bei ICANN werden alles in unserer Macht Stehende tun, um unseren Prozess zu verbessern, ihn noch weiter zu optimieren und offen und rechenschaftspflichtig zu machen - letzteres für alle Interessengruppen.
Unsere neue Affirmation of Commitments, die das Multi-Stakeholder-Modell und die Bottom-Up-Grundsätze des weltweiten Internet-Adressiersystems von ICANN unterstützt, wird sicherstellen, dass wir unsere Aktivitäten und Operationen auf der Basis einer faktenbasierten Richtlinienentwicklung gründen. Dabei fragen wir uns: Wie sollten wir angesichts dieser Vereinbarung unser jetziges Tun ändern? Wie sollten wir unsere Prozesse und Arbeit ändern oder wie sollten wir unsere Rechenschaftspflicht hinsichtlich der Erläuterung unserer Entscheidungen ändern? Welche Auswirkungen sollte sie auf unsere Transparenz haben?
Die Zustimmungsvereinbarung, die im vergangenen September zwischen der US-Regierung und ICANN geschlossen wurde, ist langfristig ausgelegt und nicht, wie die vorherigen Vereinbarungen, auf die Dauer von drei Jahren beschränkt. Wir begrüßen dies.
Zudem beweist sie ohne Zweifel, dass das ICANN-Modell bestens gerüstet ist, um diese grundlegende Ressource zu koordinieren, und legt die Überprüfung der Leistung von ICANN in die Hände unserer weltweiten Interessensvertreter.
Gemäß der neuen Zustimmungsvereinbarung bleiben die USA weiterhin zur Teilnahme am Governmental Advisory Committee von ICANN verpflichtet. Dieser Ausschuss berät die Organisation in ihrer wichtigsten Mission: die Stabilität und Sicherheit der Verwaltung von Namen und Adressen im Internet zu gewährleisten.
Die neue Vereinbarung legt fest, dass die Rechenschaftspflicht von ICANN gegenüber unseren weltweiten Interessensvertretern mindestens alle drei Jahre durch einen Ausschuss überprüft wird, der sich aus Stellvertretern der Community zusammensetzt.
Unsere Vorschläge hinsichtlich Überprüfungsstruktur, Protokollen und des Zeitplans sind gegenwärtig zur öffentlichen Stellungnahme einsehbar. Die Überprüfungen stellen ein Instrument dar, um den Fortschritt von ICANN hinsichtlich der vier grundlegenden Ziele unserer Organisation zu beurteilen:
5. Internationales Internet, internationale ICANN
Wir sind heute hier in der Hauptstadt unseres Landes zusammengekommen – wie immer belastet durch eine voreingenommene Politik und ständig neue Meldungen zu den gegenwärtigen Schwierigkeiten im Schatten von Capitol Hill. Wir sorgen uns um Innovation, um Wissenschaft und Technologie in unseren Schulen, um das Zurückfallen von Investitionen für die Zukunft. Ich nehme an, es wird uns in diesem Zusammenhang nachgesehen, wenn wir mit ein wenig Stolz auf die Rolle Amerikas in der Entwicklung des Internets, seiner transformatorischen Praxis und seines weltweiten Potentials blicken. Unsere Büros in Marina Del Rey befinden sich in demselben Gebäude, in dem auch Dr. Jon Postel sein erstes Büro für das University of Southern California Information Sciences Institute unterhielt. Dort arbeitete er mit beachtlicher Weisheit und Güte unter anderem an der Vergabe von Root Zones im Internet, Vergaben von Netzwerkadressblöcken und Zuweisungen von Protokollparametern und schuf dabei eine internationale, zuverlässige Multi-Stakeholder-Gruppe, die sich auch heute noch in der Strategieplanung von ICANN und der Verwaltung des Internets engagiert.
Wie Sie sich erinnern, finanzierte das US-Verteidigungsministerium im Jahr 1969 die Entwicklung von DARPAnet. Es handelte sich damals also größtenteils um ein US-amerikanisches Phänomen und das Internet wurde weitestgehend dort entwickelt. Nach der internationalen ICANN-Veranstaltung in Seoul im Oktober wurde ich jedoch von einem Teilnehmer eines Besseren belehrt: „Ja, Rod, aber die grundlegenden Konzepte der Paketvermittlung wurden eigentlich auch international entwickelt.“ Hier müssen also auch die internationalen Leistungen anerkannt werden.
Dementsprechend wird ICANN – so hoffe ich – internationaler in seinen Tätigkeiten und seinem täglichen Handeln. Die ist unerlässlich. Wir wissen, dass wir zum Kern einer globalen Ressource gehören, die ganz einfach ein wesentlicher Bestandteil des zukünftigen Fortschritts und Wohlergehens dieser Welt ist. Unser internationaler Weg spiegelt die Realität wider. Die Rolle des Internets bei der Förderung eines exponentiellen Wirtschaftswachstums, beim Vorantreiben von Entwicklungen, bei der Bereitstellung von Kommunikation und Informationen für jeden Einzelnen und auf allen Erdteilen stellt möglicherweise die wichtigste Versprechung der heutigen globalen Gesellschaft dar.
Ich hatte anfangs die Verbreitung des Internets erwähnt: in den vergangenen 10 Jahren stieg sie in Nordamerika auf 174 %. In Afrika waren es jedoch nur 1,392 %, im Nahen Osten 1,648 %. Auch wenn die Internetverbreitung in Afrika weiterhin lediglich 7 % beträgt, besteht dort ein enormer, unterversorgter Bedarf, ein enormes, ungestilltes Verlangen nach Informationen und Zugangsmöglichkeiten. Dies wird in den kommenden Jahren unsere Herausforderung sein.
Wir bei ICANN waren bestrebt, die Forderungen nach einem universelleren, globalisierteren und besser zugänglichen Internet und allen damit verbundenen Vorteilen zu erfüllen. Hier war das IGF – das Internet Governance Forum – ein kritisches und wichtiges Organ bei der Weiterentwicklung des internationalen Ökosystems und ICANN im Speziellen und bildete eine einheitliche und konstruktive Plattform, um das Internet in jeder Hinsicht internationaler zu gestalten.
Wir haben im vergangenen Jahr einige beachtliche Ergebnisse in dieser weltweiten Globalisierungsarena erzielt und es warten noch weitere Aufgaben auf uns.
IDNs und der Fast-Track-Prozess
Wir alle sind stolz auf die Einführung von IDN ccTLD Fast Track Process im vergangenen November. Dieser Prozess ist das Ergebnis einer elfjährigen technischen Vorbereitungszeit und von sieben Jahren Richtlinienentwicklung. Seit den Anfängen des Internets vor 40 Jahren stellen IDNs die größte Verbesserung hinsichtlich der Verwendung von Namen im Internet dar.
Zum ersten Mal in der Geschichte des Internets werden Internetadressen ausländischen Nutzern weltweit in der jeweiligen Landessprache angezeigt. Bislang wurden 16 Anfragen für sechs Sprachen angenommen, davon befinden sich vier Sprachen mittlerweile im Standardverfahren zur Erlangung einer Top-Level-Domain.
In den kommenden Jahren werden wir die Entwicklung eines dauerhafteren Prozesses zur Implementierung von IDN ccTLDs fortsetzen.
Als technische Grundlage dieser Arbeit dienen uns die IDNA-Protokolle — sie werden zurzeit von der Internet Engineering Task Force endgültig festgelegt.
Die Richtlinienentwicklung wird sich auf den Ergebnissen der derzeitigen Arbeiten in unserer Country Code Names Supporting Organization und auf den Erfahrungen aus dem Fast-Track-Prozess gründen.
Die Entwicklung einer langfristigen Richtlinie für generische IDNs und IDNs mit landesspezifischen Zeichen ist erst recht von Bedeutung, wenn wir uns vor Augen führen, dass es über die Hälfte der Nutzer offensichtlich vorzieht, Informationen in ihrer Landessprache zu erhalten — und dass einsprachige Websites höchstens 30 % der gesamten Online-Nutzer ansprechen.
Globalisierung der Organisation
Die Ergänzung um IDNs und gTLDs wird weltweit zunehmende Registrierungen und Registrare zur Folge haben und sich auf den Aufbau der ICANN-Community auswirken. Die zunehmende Unterstützung dieser Constituencies wird für uns an erster Stelle stehen. Zurzeit sind wir damit beschäftigt, die Verfahren und Tätigkeiten der Constituencies transparenter, rechenschaftspflichtiger und zugänglicher zu gestalten, um die vermehrte weltweite Beteiligung an diesen Tätigkeiten und das Verständnis dafür zu fördern.
Die ICANN-Community wächst jedoch auch in anderen Bereichen. Im letzten Jahr traten mehrere Länder dem Governmental Advisory Committee bei, darunter China, Georgien, Irak, die Mongolei, die Philippinen und die Russische Föderation, und die Gesamtzahl der vertretenen Staaten beläuft sich mittlerweile auf über 90.
Das Governmental Advisory Committee wird in der Zukunft einen noch höheren Stellenwert bei ICANN einnehmen.
Das GAC wird vor allem bei der Organisation der internationalen Review-Teams und bei der Auswahl der Mitglieder dieser Review-Teams eine wichtige Rolle spielen.
Als Teil der At-Large-Community sind etwa 20 einzelne Internetbenutzergruppen, auch At-Large-Strukturen genannt, hinzugekommen, darunter auch die erste Gruppe aus Pakistan. Die weltweite Gesamtzahl übersteigt nun 135. Für uns bedeutet das, dass die einzelnen Benutzer und Benutzergruppen stärker in die Politikgestaltung und Entscheidungsfindung von ICANN einbezogen werden können.
Die Country Code Names Supporting Organization begrüßt außerdem nennenswerte Neueinsteiger wie Russland (.ru) und die Europäische Union (.eu), durch deren Beitritt die Mitgliederzahl nun 100 länderspezifische Betreiber umfasst.
Erst im letzten Monat haben ICANN und der in der Schweiz ansässige Weltpostverein eine historische Vereinbarung unterzeichnet, mit der dem WPV die Verwaltungsbefugnis über die Top-Level-Domain .post erhält. Der Vereinbarung gingen lange Verhandlungen, öffentliche Reviews durch den öffentlichen Stellungnahmeprozess von ICANN und Überlegungen des Board of Directors voran. Das Genehmigungsverfahren innerhalb des WPV war ähnlich langwierig. Doch die Mühe hat sich gelohnt. Das Ergebnis ist eine neue Top-Level-Domain, die vom WPV und seinen Mitgliedstaaten für die Bereitstellung neuer, faszinierender Dienste verwendet werden kann.
ICANN ist auch eine wichtige Vereinbarung mit einer anderen UNO-Einrichtung, der UNESCO, eingegangen. Mithilfe dieser Vereinbarung wird die Aufnahme von so vielen Sprachgruppen wie möglich durch die Implementierung von internationalisierten Domainnamen erleichtert. Damit kann ICANN das Ziel globaler Integration durch die Erweiterung unserer Arena internationaler Akteure erfüllen.
Um auf die ständig ansteigende Anzahl vielfältiger Einzelpersonen und Organisationen zuzugehen, wird unsere globale Partnerschaft auch weiterhin folgende Aufgaben erfüllen:
Diese Aufgaben reichen von der Förderung der Teilnahme an ICANN-Prozessen durch Anwesenheit bei ICANN-Veranstaltungen bis zu weitreichenden Schulungs- und Förderaktivitäten in den verschiedenen Constituencies.
Es ist unabdingbar, dass wir sämtliche Aspekte der Tätigkeiten von ICANN auf globaler Ebene durchführen und somit unser Multi-Stakeholder-Modell auf eine Weise unterstützen, die die Anforderungen von mehrsprachigen Interessensgruppen angemessen und effizient erfüllt.
6. Weitere wichtige Aufgabenbereiche für ICANN
Das neue gTLD-Programm
Darüber hinaus hat die ICANN-Community im vergangenen Jahr große Fortschritte bei der Implementierung neuer generischer Top-Level-Domains gemacht. Dadurch wird der Wettbewerb angeregt und das Vertrauen und die Auswahl der Endverbraucher im Domainname-Bereich erhöht.
Der Ratgeber für Bewerber liegt in der dritten Ausgabe vor, und bei sämtlichen vorgenommenen Änderungen wurden die Kommentare der Öffentlichkeit und Empfehlungen von Experten sorgfältig berücksichtigt und mitaufgenommen.
Wir arbeiten weiterhin an einer Lösung der wenigen verbleibenden Probleme. Unser Fokus in 2010 wird es sein, weiterhin an unserer Einsatzbereitschaft zu arbeiten, die mögliche Einführung eines Modells für Interessensbekundungen/Voranmeldungen in Erwägung zu ziehen und anstehende Probleme auf eine Art und Weise zu lösen, in der berechtigte Anliegen unserer Interessensgruppen berücksichtigt werden.
IPv6 – bis zu 4.294.967.296 und mehr!
In den vergangenen Jahren haben Sie bestimmt recht viel von der Notwendigkeit für Netzwerk- und Dienstanbieter gehört, IPv6-fähig zu werden. Die Implementierung von IPv6 wird aus vielerlei Gründen immer wichtiger. Sehen wir uns einmal die Zahlen an.
Der ganzen Welt Zugang zum Internet zu verschaffen, ist bestimmt ein löbliches Ziel – eines, das jedoch nicht ohne die Erweiterung des digitalen Adressensystems, den IP-Adressen, erreicht werden kann, auf dem die von uns verwendeten Domainnamen beruhen. In den letzten 30 Jahren wurde IPv4 verwendet – wir erreichen jetzt jedoch bald einen Punkt, an dem dieser Adressbereich vollständig zugewiesen ist. Die Weltbevölkerung umfasst etwa 7 Milliarden Menschen – es gibt aber weniger als 4 Milliarden verwendbare IPv4-Adressen.
Sie wissen vielleicht, dass ICANN zu Beginn dieses Monats APNIC, der Regional Internet Registry im Asien-Pazifik-Raum, zwei IPv4-Blöcke zugewiesen hat. Der damit verbleibende Pool nicht zugewiesener IPv4-Adressen beläuft sich demnach auf weniger als 10 % der Gesamtzahl. Es gibt somit nur noch 385 Millionen IPv4-Adressen für neue Internetbenutzer – und es gibt immer noch mehrere Milliarden Menschen, die nicht über einen Internetzugang verfügen.
Wenn all diese Benutzer denselben Zugang zum Internet wie wir erhalten sollen – also einen Zugang, bei dem die Verwendung von Punkt-zu-Punkt-Technologien wie Videokonferenzschaltungen und VoIP gegeben ist – dann benötigen sie Internetverbindungen mit eindeutigen IP-Adressen. Dies kann nur dadurch erreicht werden, IPv6 für so viele Personen wie möglich und so schnell wie möglich bereitzustellen.
Die gute Nachricht ist, dass uns mit IPv6 ausreichend Internetadressen für alle Menschen, sowohl in den Industrie- als auch in den Entwicklungsländern, zur Verfügung stehen. Mit IPv6 gibt es genug IP-Adressen für jedermann. Mit IPv6 könnte jeder einzelne Mensch auf dieser Erde über Trillionen von Adressen für private oder Unternehmenszwecke verfügen. Sämtliche 30.000 Internetanbieter und Unternehmen in mehr als 190 Ländern, die Mitglieder der Regional Internet Registries – der Parteien, die die IP-Adressen zuweisen – sind, könnten einen Block von Trillionen von IPv6-Adressen erhalten, indem sie schlichtweg einen Bedarf daran demonstrieren. Es sind genügend Adressen für alle vorhanden.
Die schnelle Umsetzung und Annahme von IPv6 ist wichtig. Und deshalb kann über IPv6 auch auf den Stamm des DNS zugegriffen werden. Daher sind auch alle Netzwerke und Dienste von ICANN über IPv6 zugänglich. Wie auch alle .org-Namensserver über IPv6 zugänglich sind.
ICANN, .org, die anderen Top-Level-Domains, Austauschpunkte usw. bilden jedoch nur die Internetinfrastruktur. Jetzt ist es wichtig, dass alle Endverbraucher, Unternehmen, Internetdienstanbieter, Host-Provider, Content-Provider und Netzwerke verschiedener Typen IPv6 auf ihren Netzwerken aktivieren und verwenden, damit neue Benutzer dasselbe Netzwerk verwenden können wie wir.
7. Cybersecurity und Cyber-Herausforderungen
Unsere realen und virtuellen Welten nähern sich einander an. Eine unserer größten Herausforderungen ist es, die Komplexitäten beider Welten zu bewältigen. Und im selben Ausmaß, in dem das Potenzial und die Wichtigkeit des Internets für die reale, komplexe Welt anwachsen, steigt auch die Anzahl der Gefahren darin an. Das Internet hat seine Unschuld verloren. Und damit meine ich nicht etwa Pornoseiten! Im Vergleich zu den Bedrohungen für die Cybersecurity verblasst die Bedrohung durch solche Webseiten fast. Die Phänomene Cyberkriminalität, Cyberkonflikt und Cyberwar sind in unseren Schlagzeilen immer mehr präsent. Manche sprechen von einem neuen "Kalten Cyberwar", wir wissen aber, dass diese Bedrohungen exponentiell ansteigen. Einzelpersonen sehen sich diesen Gefahren aufgrund von im Rahmen von Cyberkriminalität gestohlenen Identitäten und ruinierten Leben gleichermaßen ausgesetzt wie Länder, die sich selbst in scheinbar friedlichen Zeiten mit Angriffen auf ihre Sicherheit auseinandersetzen müssen, oder ganze internationale Systeme für Verwaltung, Finanzen, Energie, Transport, Versorgungsketten, Kommunikation – ja sogar der medizinische Bereich mit seinen grundsätzlich vielversprechenden Fortschritten in der Notfalldiagnostik. Wir sind in eine neue Phase von Cyberbedrohungen und Cyberwar eingetreten. Wir brauchen eine völlig neue Denkweise, um diese Gefahren zu bekämpfen, Risiken zu minimieren, Pläne zu entwerfen und die Risiken der Cyberbedrohungen in Betracht zu ziehen – und gleichzeitig das Potenzial der Cyberwelt zu nutzen.
ICANN hat sich natürlich letztes Jahr mit der Bedrohung durch den Computerwurm Conficker auseinandergesetzt, einem besonders weit verbreiteten und daher bedrohlichen Botnet. Wir haben bei der Bekämpfung von Conficker in der DNS-Community eine führende Rolle eingenommen, indem wir den Informationsaustausch zwischen Sicherheitsforschern und TLD-Registrierungsbetreibern erleichtert haben. Durch diese Arbeit wurde sowohl der Wert einer gemeinschaftlichen Reaktion durch die weitreichende DNS-Community hervorgehoben wie auch die Herausforderung, umgehend und ad-hoc zu reagieren.
Und aus diesem Grund arbeiten wir jetzt mit unseren Partnern in der Conficker Working Group zusammen, um gemeinsam die Sicherheit, Stabilität und Zuverlässigkeit des Reaktionsvermögens der DNS-Community zu verbessern und zu gewährleisten, dass diese Bemühungen an die der weitreichenden Cybersecurity-Community gekoppelt sind.
Letzten Mai haben wir zum ersten Mal unser Dokument Plan for Enhanced Internet Security, Stability and Resiliency veröffentlicht. In diesem Dokument wird unsere Rolle in den Bereichen Internetsicherheit, -stabilität und -zuverlässigkeit veranschaulicht. Es handelt sich hierbei um ein "lebendiges Dokument", und wir planen, es kontinuierlich zu aktualisieren, um die dynamische Natur von Sicherheitsproblemen widerzuspiegeln, denen sich ein stabiles und zuverlässiges Internet auch in der Zukunft ausgesetzt sieht.
Es gibt nun bereits mehr als 900 von ICANN anerkannte Registrierungsstellen – wir arbeiten mit ihnen zusammen, um die Sicherheit, Stabilität und Zuverlässigkeit des Internets zu gewährleisten. Unsere Beziehung mit diesen Registrierungsstellen erfolgt über ein Registrar Accreditation Agreement oder RAA. In dieser Vereinbarung werden gewisse Standards für die Datenerfassung und -speicherung gesetzt. Darüber hinaus enthält diese Vereinbarung Richtlinien zur Unterstützung der Sicherheit, Stabilität und Zuverlässigkeit des Domainnamensystems. Diese Richtlinien wurden von der ICANN-Community aufgesetzt. Einige nennenswerte Richtlinien sind:
Unser Registrar Liaison-Team überwacht die Einhaltung der RAA-Bestimmungen durch die Registrierungsstellen. Dies erfolgt durch informelle Lösungsversuche bei Beschwerden seitens der Registrierer und bei Streitigkeiten zwischen Registrierungsstellen sowie durch Akkreditierungsprüfungen bei jeder Erneuerung der RAA-Vereinbarung einer Registrierungsstelle.
Wir haben außerdem einige Möglichkeiten zur Vermeidung potenziellen Versagens seitens der Registrierungsstellen entwickelt. Dies trägt zu einem stabileren Domainnamensystem bei.
Zum Beispiel verfügen wir über ein Registrar Data Escrow-Programm, das festlegt, dass Registrierungsstellen regelmäßig bei einem Drittanbieter eine Sicherungskopie der Registrierungsdaten hinterlegen.
Unsere De-Accredited Registrar Transition Procedure erleichtert den zeitgerechten Transfer von Registrierungen von gescheiterten Registrierungsstellen an eine andere Registrierungsstelle.
Wir verfügen außerdem über eine Reihe von internen Geschäftsprozessen, die bei der Gewährleistung einer stabilen Domainregistrierungsumgebung behilflich sind und Beeinträchtigungen des Betriebs für Registrierer und Internetbenutzer im Falle des Scheiterns einer Registrierungsstelle vermeiden sollen.
Wir planen, auch in der Zukunft mit der Entwicklung von Richtlinien für verbesserte Akkreditierung von Registrierungsstellen und erweiterte Anforderungen für die Datenhinterlegung fortzufahren, indem wir die Bestimmungen der RAA-Vereinbarung verbessern. Wir werden auch weiterhin Verfahren und Prozesse als Teil unseres aktuellen Rahmenwerks aus Richtlinien und Verträgen zum Schutz von Registrierern entwickeln und so schlussendlich die Sicherheit, Stabilität und Zuverlässigkeit des Domainnamensystems erhöhen.
Derzeit sind Projekte im Gange, die:
Wir haben außerdem vor, unsere Bemühungen im Hinblick auf die Durchsetzung und Einhaltung von Richtlinien und Verträgen zu verstärken. Dies wird es uns ermöglichen, die Akkreditierung einer Registrierungsstelle aufzuheben, wenn die Handlungen einer Registrierungsstelle die Sicherheit und Stabilität des Domainnamensystems gefährden.
In der Zukunft werden wir durch das Verbreiten von branchenüblichen Best Practices eine stärkere Community von Registrierungsstellen aufbauen und neue Kommunikationswege einrichten, die die Registrierungsstellen bei der zeitgerechten Berichterstattung und Reaktion auf kritische Sicherheitsbedrohungen unterstützen.
Die Gewährleistung eines stabilen und sicheren Domainnamensystems und anderer eindeutiger Bezeichner bleibt auch weiterhin eine Priorität für ICANN. So haben wir zum Beispiel kürzlich ein wichtiges Upgrade des von ICANN betriebenen L-Rootservers durchgeführt und im Rahmen dessen alle vorhandenen Anycast-Instanzen aufgerüstet und eine neue globale Anycast-Instanz in der Tschechischen Republik hinzugefügt. Der L-Rootserver kann nun problemlos über eine Million Abfragen pro Sekunde verarbeiten. Wir werden auch in den kommenden Jahren den L-Rootserver regelmäßig aufrüsten, um die Sicherheit und Stabilität des DNS-Dienstes zu gewährleisten. So planen wir zum Beispiel Folgendes:
Wir verbessern darüber hinaus laufend die Sicherheit und Zuverlässigkeit unserer Tätigkeiten und Aktivitäten im Rahmen der IANA-Funktionen, indem wir die Erfüllung von Branchenstandards in den Bereichen Business Excellence, Informationssicherheit und betrieblicher Effizienz anstreben, in erhöhte Kapazitäten investieren und effizientere Prozesse implementieren.
Darüber hinaus arbeiten wir auch weiterhin daran, die Sicherheit des Internets an verschiedenen Fronten zu verbessern. Nachdem wir mehr als zwei Jahre lang DNSSEC, die Domain Name System Security Extensions, erfolgreich in einer Root-Entwicklungsumgebung betrieben haben, arbeiten wir nun gemeinsam mit dem Department of Commerce National Telecommunications and Information Administration (NTIA) und VeriSign daran, eine DNSSEC-signierte Root-Zone bis 2010 vollständig verfügbar zu machen. Wir haben in dieser Hinsicht schon beträchtliche Fortschritte gemacht.
Im Rahmen einer 2009 durchgeführten Umfrage unter länderspezifischen Betreibern wurde festgestellt, dass 25 % der 65 befragten ccTLDs DNSSEC implementiert hatten. Dies stellte einen 7%igen Anstieg gegenüber dem Jahr 2007 dar. Wir haben außerdem festgestellt, dass 80 % der verbleibenden Betreiber die Implementierung von DNSSEC in unmittelbarer Zukunft beabsichtigen.
8. Schlussfolgerung
Liebe Freunde und Kollegen in dieser geschätzten Community:
Ich verfüge über 25 Jahre Berufserfahrung als CEO und Investor in High-Tech-Unternehmen in Silicon Valley. Ich verfüge außerdem über 15 Jahre Erfahrung auf politischer Ebene, allerdings hauptsächlich im Bereich der Umweltpolitik, und über etwa zwei Jahre Erfahrung im Bereich Cybersecurity. Darüber hinaus habe ich drei Jahre damit verbracht, CEOs in den Bereichen Frieden und Track II-Diplomatie global zu vernetzen.
Daher ist das Thema Internetrichtlinien und Internet Governance für mich Neuland. Für mich laufen in dieser Aufgabe und dieser Herausforderung die Fäden meines Lebens zusammen. In Internet Governance kommen die verschiedenen Dinge zusammen, auf die ich in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten meiner Karriere gestoßen bin. Ich schätze mich wirklich glücklich, heute hier sein zu können.
Es ist für mich ein Privileg, Teil dieser Community zu sein. Ich bin Ihnen dankbar für Ihre Ratschläge, Einblicke und Erfahrungen, die Sie mit mir teilen. Diese Aufgabe ist, wie Sie wissen, von äußerster Wichtigkeit für die Zukunft der Menschheit. Ich möchte mich hier nicht selbst verherrlichen. Das Internet kann auch Spaß machen – angeblich hat sich eines von acht Paaren in den USA letztes Jahr online kennengelernt ... Wir haben jedoch eine globale Verantwortung.
Das vergangene Jahr war ein wahrlich historisches Jahr für die ICANN-Community und die globale Internet-Community. Das Internet kam der Erfüllung seines Potenzials als weltweit zugängliches Gut für die nächste Milliarde von Benutzern näher denn je. Und unsere Interessensgemeinschaft entwickelt sich – wie das Internet – im Hinblick auf globale Reichweite und Vielfältigkeit.
Die nächsten Jahre sind zweifellos von großer Wichtigkeit. Wir beginnen erst zu begreifen, was ICANN aufgrund der Affirmation of Commitments jetzt bewirken kann. Wir wissen allerdings, dass ICANN auch künftig die wichtige Arbeit individueller Interessensgruppen unterstützen und mit ihnen zusammenarbeiten wird, um zu gewährleisten, dass das Internet der Zukunft eine umgestaltende Technologie bleibt, mit der Menschen in aller Welt gestärkt, Innovation vorangetrieben, Handel und Wirtschaft erleichtert und reibungsloser Informationsfluss ermöglicht werden. Gleichzeitig wird ICANN auch weiterhin die Interessen der Öffentlichkeit vertreten.
One World.
One Internet.
Everyone connected.
Vielen Dank.
Ich nehme in der uns verbleibenden Zeit gerne Fragen entgegen.
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This file last modified 13-Aug-2010
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